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- Sportentwicklungsbericht Brandenburg: Wo unsere Vereine heute besonders unter Druck stehen
Der aktuelle Sportentwicklungsbericht für Brandenburg 2023–2025 zeigt sehr deutlich, mit welchen Herausforderungen Sportvereine im Land konfrontiert sind.
Die zugrunde liegende Vereinsbefragung wurde im Herbst 2023 durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 600 Sportvereine in Brandenburg. Der Bericht wurde 2025 veröffentlicht und ermöglicht zugleich einen direkten Vergleich mit den bundesweiten Ergebnissen der 9. Welle des Sportentwicklungsberichts.
Viele der Ergebnisse decken sich mit den Themen, die auch unsere Vereine in Teltow-Fläming regelmäßig an uns herantragen.
Fast jeder zweite Verein berichtet von existenziellen Problemen
45,1 Prozent der Sportvereine in Brandenburg geben an, mindestens ein Problem zu haben, das sie in ihrer Existenz bedroht. Das entspricht hochgerechnet etwa 1.340 Vereinen. Bundesweit liegt der Anteil mit 44,0 Prozent nur geringfügig niedriger.
Damit wird deutlich: Die Belastung der Vereine ist kein Randphänomen, sondern betrifft einen erheblichen Teil des organisierten Sports.
Trainerinnen, Trainer und Übungsleitende: In Brandenburg besonders kritisch
Das größte existenzielle Problem für die Sportvereine in Brandenburg ist die Gewinnung und Bindung von Trainerinnen, Trainern und Übungsleitenden.
12,8 Prozent der Vereine sehen sich dadurch in ihrer Existenz bedroht. Bundesweit liegt dieser Wert bei 10,9 Prozent. Damit ist dieses Problem in Brandenburg stärker ausgeprägt als im Bundesdurchschnitt.
Auch unabhängig von der existenziellen Bedrohung gehört die Gewinnung dieser Personengruppe zu den größten Herausforderungen überhaupt. 22 Prozent der Brandenburger Vereine bewerten sie als sehr großes und weitere 26 Prozent als großes Problem.
Für uns unterstreicht das die Bedeutung von Qualifizierung, guten Rahmenbedingungen für Übungsleitende und einer Vereinsorganisation, die ehrenamtliches Engagement möglichst gut unterstützt.
Ehrenamt: Herausforderung – aber auch eine große Stärke Brandenburgs
Bei ehrenamtlichen Funktionsträgerinnen und Funktionsträgern zeigt sich ein etwas anderes Bild.
Bundesweit sehen 17,5 Prozent der Vereine die Gewinnung und Bindung ehrenamtlicher Funktionsträger als existenzbedrohend. In Brandenburg liegt dieser Anteil mit 9,4 Prozent deutlich niedriger.
Gleichzeitig bleibt das Ehrenamt auch hier eine der größten Herausforderungen im Vereinsalltag.
Besonders positiv ist allerdings ein anderer Befund: 32,6 Prozent der Vereinsmitglieder in Brandenburg waren 2022 als freiwillige Helferinnen und Helfer bei Arbeitseinsätzen, Veranstaltungen oder anderen Aufgaben aktiv. Bundesweit lag dieser Anteil bei lediglich 22,7 Prozent.
Das zeigt: Die Bereitschaft, sich einzubringen, ist in Brandenburg stark ausgeprägt. Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, Menschen für Engagement zu gewinnen, sondern auch darin, aus punktueller Unterstützung möglichst nachhaltige Beteiligung entstehen zu lassen.
Unterstützung durch Politik und Verwaltung fällt in Brandenburg stärker ins Gewicht
Ein besonders auffälliger Unterschied zum Bundesdurchschnitt betrifft die Unterstützung durch Politik und Verwaltung.
11,7 Prozent der Brandenburger Sportvereine sehen mangelnde Unterstützung in diesem Bereich als existenzbedrohend an. Bundesweit sind es 8,9 Prozent.
Dieser Wert ist aus unserer Sicht besonders ernst zu nehmen. Vereine brauchen nicht nur finanzielle Förderung. Sie benötigen ebenso verlässliche Ansprechpartner, nachvollziehbare Verfahren, gute kommunale Rahmenbedingungen und die Berücksichtigung des Sports bei politischen Entscheidungen.
Gerade deshalb bleibt die Interessenvertretung unserer Vereine gegenüber Verwaltung und Politik ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit als Kreissportbund.
Sportstätten werden zunehmend zum Engpass
Auch der Zustand und die Verfügbarkeit von Sportstätten spielen eine wachsende Rolle.
4,5 Prozent der Vereine in Brandenburg sehen sich aufgrund des Zustands ihrer Sportstätten bereits existenziell bedroht. Dieser Wert entspricht dem bundesweiten Niveau. In Brandenburg ist der Problemdruck gegenüber der vorherigen Erhebung jedoch gestiegen.
Besonders interessant ist die mitgliedergewichtete Betrachtung: Größere Vereine und damit überproportional viele Sporttreibende sind stärker von Problemen bei Zustand und zeitlicher Verfügbarkeit der Sportstätten betroffen.
Das deckt sich mit vielen Rückmeldungen aus Teltow-Fläming. Mitgliederwachstum und neue Sportangebote sind nur möglich, wenn ausreichend Hallenzeiten, Sportplätze, Schwimmzeiten und geeignete Trainingsstätten zur Verfügung stehen.
Digitalisierung wird als Chance gesehen
Ein positives Signal liefert der Bericht beim Thema Digitalisierung.
Die Sportvereine in Brandenburg sehen Digitalisierung im Durchschnitt eher als Chance für den Verein. Der entsprechende Wert liegt bei 3,27 auf einer fünfstufigen Skala. Bundesweit fällt die Einschätzung mit 3,46 etwas positiver aus.
Auch das erleben wir in unserer täglichen Arbeit. Digitale Lösungen können Vorstände und Ehrenamtliche bei Verwaltungsaufgaben entlasten, Abläufe vereinfachen und Kommunikation verbessern.
Digitalisierung ersetzt kein Ehrenamt, sie kann aber dazu beitragen, ehrenamtliche Zeit sinnvoller einzusetzen.
Kinderschutz: Brandenburg kommt nicht schnell genug voran
Beim Kinderschutz zeigt der Bericht ein gemischtes Bild.
Das grundsätzliche Engagement der Vereine im Bereich Kinderschutz und Prävention sexualisierter Gewalt liegt in Brandenburg ungefähr auf Bundesniveau. Gleichzeitig zeigt sich aber ein entscheidender Unterschied: Bundesweit hat die Sensibilisierung seit 2015 bei allen abgefragten Aspekten signifikant zugenommen. Für Brandenburg weist der Bericht dagegen keine signifikante Veränderung aus.
Auch die konkreten Zahlen zeigen weiter Handlungsbedarf. Rund 23 Prozent der Brandenburger Vereine halten Prävention sexualisierter Gewalt eher nicht für ein relevantes Thema. Rund 30 Prozent setzen sich nach eigener Einschätzung eher nicht aktiv dagegen ein, bei 31 Prozent wird eher nicht offen darüber gesprochen und rund 29 Prozent verfügen eher nicht über fundierte Kenntnisse zur Prävention.
Für den Kreissportbund und die Kreissportjugend bestätigt das die Bedeutung unserer Arbeit in diesem Bereich. Mit Kinderschutzkonzepten, Qualifizierungen, Materialien, Verfahrensabläufen, Austauschformaten und unserem Gütesiegel Kinderschutz im Sport unterstützen wir Vereine dabei, Schutzstrukturen verbindlich im Vereinsalltag zu verankern.
Jugendbeteiligung als Chance für das Ehrenamt von morgen
Ein weiterer Befund verdient besondere Aufmerksamkeit.
In Brandenburg verfügen 56,9 Prozent der Vereine über keine der im Bericht abgefragten Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche. Bundesweit liegt dieser Anteil mit 46,4 Prozent deutlich niedriger.
Gleichzeitig zeigen die Auswertungen: Vereine, die Kinder und Jugendliche früh an Mitbestimmung und Verantwortung heranführen, haben signifikant höhere Anteile junger Ehrenamtlicher. Jugendbeteiligung kann damit auch eine Investition in das Ehrenamt von morgen sein.
Viele Themen sind auch in Teltow-Fläming längst angekommen
Der Sportentwicklungsbericht beschreibt Entwicklungen für ganz Brandenburg. Viele davon begegnen uns aber auch unmittelbar in Teltow-Fläming.
Die Gewinnung von Ehrenamtlichen und Übungsleitenden, Sportstätten, Digitalisierung, Kinderschutz, Jugendbeteiligung und verlässliche Rahmenbedingungen durch Politik und Verwaltung gehören zu den zentralen Zukunftsthemen unserer Vereine.
Der Bericht zeigt dabei nicht nur Probleme. Er macht ebenso deutlich, wie stark das freiwillige Engagement in Brandenburg weiterhin ist und welche enorme gesellschaftliche Leistung Sportvereine täglich erbringen.
Unsere Aufgabe als Kreissportbund ist es, diese Entwicklungen gemeinsam mit unseren Vereinen aufzugreifen, gute Lösungen sichtbar zu machen und dort Unterstützung einzufordern, wo Vereine ihre Herausforderungen nicht allein lösen können.
Gemeinsam für den Sport in Teltow-Fläming.
