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12.10.2026
Jugendbeteiligung in Brandenburg: Viel Potenzial für das Ehrenamt von morgen
Kinder und Jugendliche sind aus unseren Sportvereinen nicht wegzudenken.

Viele Vereine engagieren sich intensiv im Kinder- und Jugendsport, organisieren Training, Wettkämpfe, Ferienangebote und Vereinsveranstaltungen.

Der aktuelle Sportentwicklungsbericht für Brandenburg 2023–2025 zeigt aber zugleich: Junge Menschen werden vergleichsweise selten strukturell an Mitentscheidung und Verantwortung im Verein herangeführt. Gerade mit Blick auf die wachsenden Herausforderungen bei der Gewinnung ehrenamtlich Engagierter lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Jugendbeteiligung.

Viel Kinder- und Jugendsport – aber wenig feste Beteiligungsstrukturen

Laut aktuellem Brandenburg-Bericht messen die Sportvereine dem Kinder- und Jugendsport weiterhin einen hohen Stellenwert bei. Auch die demokratische Beteiligung junger Menschen wird von den Vereinen grundsätzlich als wichtig angesehen.

Beim Blick auf die tatsächlich vorhandenen Beteiligungsstrukturen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: In 56,9 Prozent der Brandenburger Sportvereine gibt es keine der im Sportentwicklungsbericht abgefragten spezifischen Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche unter 18 Jahren. Bundesweit liegt dieser Anteil mit 46,4 Prozent deutlich niedriger. Der Bericht kommt entsprechend zu dem Ergebnis, dass Möglichkeiten der Jugendpartizipation in Brandenburg insgesamt seltener vorhanden sind als im Bundesvergleich.

Das bedeutet nicht, dass Jugendliche in diesen Vereinen grundsätzlich keine Stimme haben. Die Zahlen zeigen aber, dass fest verankerte Möglichkeiten zur Mitgestaltung in Brandenburg vergleichsweise selten vorhanden sind.

Brandenburg liegt bei vielen Beteiligungsformen zurück

Bei den einzelnen Beteiligungsformen werden die Unterschiede besonders deutlich.

Ein Stimmrecht für Jugendliche in der Hauptversammlung gibt es in Brandenburg bei 28,2 Prozent der Vereine. Damit liegt Brandenburg sogar etwas über dem bundesweiten Wert von 26,2 Prozent.

Bei weitergehenden Beteiligungsformen sieht es allerdings anders aus:

  • Eine Jugendvertretung wird in Brandenburg nur in 10,3 Prozent der Vereine durch die Jugendlichen gewählt, bundesweit sind es 21,9 Prozent.
  • Einen gewählten Jugendsprecher oder eine gewählte Jugendsprecherin gibt es in 6,9 Prozent der Brandenburger Vereine gegenüber 17,3 Prozent bundesweit.
  • Einen eigenen Jugendvorstand oder Jugendausschuss haben 5,3 Prozent der Vereine, bundesweit sind es 12,9 Prozent.
  • Eine gewählte Jugendvertretung auf Abteilungsebene findet sich in Brandenburg bei lediglich 1,9 Prozent der Vereine.

Positiv fällt auf, dass inzwischen 21,1 Prozent der Brandenburger Vereine einen Jugendvertreter, Jugendwart oder Jugendreferenten mit Sitz im Gesamtvorstand haben. Dieser Anteil ist gegenüber 2020 deutlich und statistisch signifikant gestiegen. Trotzdem liegt Brandenburg auch hier weiterhin unter dem bundesweiten Wert von 31,5 Prozent.

Das Problem ist nicht fehlende Jugend – sondern der Weg in Verantwortung

Aus unserer Sicht lässt sich daraus eine wichtige Schlussfolgerung ableiten:

Brandenburg hat nicht in erster Linie ein Problem damit, dass junge Menschen im Sport fehlen, sondern damit, dass sie vergleichsweise selten strukturell an Verantwortung und Mitentscheidung herangeführt werden.

Das ist unsere Einordnung der Daten und keine wörtliche Aussage des Sportentwicklungsberichts. Sie wird aber dadurch gestützt, dass sich viele Vereine intensiv im Kinder- und Jugendsport engagieren, während feste Beteiligungsstrukturen deutlich schwächer ausgeprägt sind.

Für die Vereinsentwicklung ist genau dieser Übergang entscheidend: vom jungen Menschen, der am Training teilnimmt, hin zu jemandem, der eigene Ideen einbringt, Entscheidungen mitgestaltet und schrittweise Verantwortung übernimmt.

Ein Blick zurück zeigt: Das Thema ist nicht neu

Auch die 8. Welle des Sportentwicklungsberichts 2020–2022 zeigt, dass die Herausforderung bereits länger besteht.

Damals hatten bundesweit 45,3 Prozent der Vereine keine der abgefragten Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche. Der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass dieser Anteil gegenüber 2013 signifikant gestiegen war. Gleichzeitig war der Anteil der Vereine mit einem Jugendvertreter, Jugendwart oder Jugendreferenten im Gesamtvorstand gegenüber 2013 signifikant zurückgegangen.

Auch damals wurde Jugendbeteiligung grundsätzlich hoch bewertet: Der Mittelwert für die Aussage, Wert auf die demokratische Beteiligung junger Menschen zu legen, lag bei 4,09 von 5. 41 Prozent der Vereine stimmten dieser Aussage voll und weitere 37 Prozent eher zu.

Damit wird eine interessante Spannung sichtbar:

Der Anspruch ist hoch, die vorhandenen Strukturen halten damit häufig noch nicht Schritt.

Jugendbeteiligung kann Ehrenamt von morgen sichern

Der vielleicht wichtigste Befund des aktuellen Brandenburg-Berichts betrifft die Verbindung zwischen Jugendbeteiligung und Ehrenamt.

Weiterführende Analysen zeigen, dass in Vereinen ohne Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche auch der Anteil der unter 30-jährigen Ehrenamtlichen geringer ausfällt. Umgekehrt verfügen Vereine, die junge Menschen früh aktiv am Vereinsleben beteiligen, über signifikant höhere Anteile junger Ehrenamtlicher in festen Funktionen.

Der Bericht bezeichnet Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche deshalb ausdrücklich als eine mögliche Investition in die Gewinnung zukünftiger Ehrenamtlicher.

Genau darin liegt aus unserer Sicht der strategische Wert des Themas.

Wer Jugendliche heute beteiligt, stärkt nicht nur ihre Mitbestimmung. Vereine schaffen damit möglicherweise auch die Grundlage dafür, dass aus jungen Mitgliedern später Übungsleitende, Jugendsprecherinnen und Jugendsprecher, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter oder Vorstandsmitglieder werden.

Jugendbeteiligung ist damit auch Ehrenamtsentwicklung.

Beteiligung muss nicht gleich Jugendvorstand bedeuten

Dabei muss nicht jeder Verein sofort einen eigenen Jugendvorstand gründen.

Beteiligung kann viel niedrigschwelliger beginnen: Jugendliche können bei Veranstaltungen mitplanen, eigene Projekte übernehmen, bei Fragen ihrer Mannschaft oder Abteilung einbezogen werden oder als Jugendsprecherinnen und Jugendsprecher fungieren.

Entscheidend ist zunächst, jungen Menschen tatsächlich Räume zu geben, in denen ihre Meinung gefragt ist und sie Verantwortung übernehmen können.

Gerade kleinere Vereine brauchen dafür keine komplizierten neuen Strukturen. Oft können schon einfache Beteiligungsformen ein erster Schritt sein.

Ein Thema für unsere Vereine in Teltow-Fläming

Die Zahlen des Sportentwicklungsberichts beziehen sich auf Brandenburg insgesamt. Sie geben uns aber einen wichtigen Anlass, das Thema auch in Teltow-Fläming stärker in den Blick zu nehmen.

Für den Kreissportbund und die Kreissportjugend stellt sich deshalb die Frage, wie wir Vereine künftig noch besser dabei unterstützen können, junge Menschen nicht nur als Sporttreibende zu erreichen, sondern ihnen auch Wege in Mitgestaltung und Verantwortung zu eröffnen.

Denn wenn wir über die Zukunft des Ehrenamts sprechen, sollten wir nicht erst dann anfangen, wenn Vorstandspositionen oder Übungsleiterstellen unbesetzt bleiben.

Wir sollten früher anfangen. Bei den jungen Menschen, die heute bereits in unseren Vereinen aktiv sind.

 

Quellen

Die genannten Zahlen und Entwicklungen beruhen auf den Sportentwicklungsberichten des Bundesinstituts für Sportwissenschaft bzw. der Deutschen Sporthochschule Köln.

Breuer, C. & Feiler, S. (2017). Sportvereine in Brandenburg. In C. Breuer (Hrsg.), Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland (S. 376–406). Hellenthal: Sportverlag Strauß.

Breuer, C. & Feiler, S. (2021). Sportvereine in Deutschland: Ergebnisse aus der 8. Welle des Sportentwicklungsberichts. Sportentwicklungsbericht für Deutschland 2020–2022 – Teil 1. Bonn: Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Der Bericht ist als 8. Welle des Sportentwicklungsberichts ausgewiesen.

Breuer, C., Feiler, S. & Breuer, T. (2025). Sportvereine in Brandenburg: Ergebnisse aus der 9. Welle des Sportentwicklungsberichts. Sportentwicklungsbericht für Deutschland 2023–2025. Köln: Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Sportökonomie und Sportmanagement.